6.1 Energiewende

Wir fragen uns:

  • Lässt sich der Klimawandel durch die Energiewende aufhalten?
  • Sind die Kosten gerechtfertigt und wer soll sie tragen?
  • Muss der Energiemarkt weiter liberalisiert werden?

Die Energiewende ist politisch und gesellschaftlich gewollt. Sie ist ein notwendiger, aber auch ein mutiger Weg. Damit sie sich zum Exportschlager entwickelt, andere Länder und Wirtschaftsräume zur Nachahmung animiert sowie die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen nicht schwächt, sind Anpassungen erforderlich. Die Energiewende muss eingebettet werden in ein europäisches Konzept, dass der Europäisierung des Strommarktes Rechnung trägt und Kapazitäten und Netzauslastung in Balance bringt. Insbesondere muss die deutsche Energiepolitik einen verlässlichen Rechtsrahmen bieten. Eine Kleinststeuerung auf kommunaler oder Länderebene führt zur Verunsicherung der Markteilnehmer und ist abzulehnen. Dort, wo staatliches Handeln notwendig ist, muss der Bund die Koordinierung der Energiewende übernehmen und notfalls den Ländern auch Weisungen erteilen können.

Wenn die Energiewende ein Erfolgsmodell werden soll, muss das 40-Prozent-CO2-Einsparziel im Jahr 2020 gegenüber 1990 erreicht werden. Die Hauptsteuerungsinstrumente sind hierfür der CO2–Emissionshandel, der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung, die Modernisierung der Maschinenparks sowie die Sanierung von Gebäuden. Aber auch das Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) muss weiterentwickelt werden. Erneuerbare Energien müssen schrittweise an den Markt herangeführt und in das Energiesystem integriert werden. Hierzu gehört auch die verstärkte Nutzung von Ausschreibungsmodellen und Direktvermarktung.

Darüber hinaus ist die Erforschung neuer Speichertechnologien durch mehr Mittel sowie die Verknüpfung öffentlicher und privater Forschungsvorhaben zu stärken. Denkverbote dürfen dabei nicht bestehen, sodass auch die Möglichkeit von CCS (Carbon Capture Storage) geprüft werden muss.
Einen zeitgleichen Ausstieg aus der Kernenergie und aus der Kohlekraft lehnt die Junge Union ab. Deutschland ist als eine der führenden Industrienationen in besonderem Maße auf eine hohe Bereitstellungssicherheit angewiesen, der erneuerbare Energien angesichts einer starken Volatilität und begrenzter Speichermöglichkeiten nicht gerecht werden. Eine Beibehaltung der Kohlekraft mildert zudem den starken Anstieg der Strompreise ab, sodass Unternehmen und Verbraucher nicht überfordert werden.

Auch die Digitalisierung der Energiesysteme und eine damit einhergehende Liberalisierung des Marktes müssen zügig vorangetrieben werden. Intelligente Systeme helfen, Anbieter zu wechseln und günstigsten Strom zu beziehen. Endverbrauchern muss der Zugang zu Strombörsen offen stehen.
Smart Homes und Smart Grid, die sich selbst mit Energie versorgen und über Stromspeicher verfügen, müssen gezielt gefördert werden. Auch gilt es, die Forschung in diesem Bereich auszubauen, um die Effizienz und Langlebigkeit der Systeme zu verbessern.

Die Trassierung von Stromleitungen ist von nationaler Bedeutung. Dazu gehört aber auch, Vorschläge und Einwände von Anwohnern zu hören sowie die Ehrlichkeit, den Betroffenen frühzeitig und mit größtmöglicher Transparenz zu vermitteln, dass nicht alle Einzelinteressen berücksichtigt werden können. Gleichzeitig ist der Rechtsweg zur schnelleren Umsetzung der Maßnahmen zu verkürzen. Einzelne Bundesländer dürfen bundeseinheitliche Pläne nicht konterkarieren.

Wir fordern:

  • Marktwirtschaftliche Ausgestaltung der Energiewende bei subsidiärer Koordination durch den Bund
  • Umsetzung der Klimaschutzziele
  • Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung
  • Bessere steuerliche Absetzbarkeit von Gebäudesanierungen
  • Ausschreibungen und Direktvermarktung im EEG
  • Stärkere Förderung der Erforschung von Speichertechnologien
  • Digitalisierung der Energiesysteme zur Liberalisierung des Marktes
  • Ausbau smarter Technologien zur besseren Vernetzung und Effizienzsteigerung
  • Förderung von Smart Homes und Passivhäusern
  • Verkürzter Rechtsweg beim Bau von Stromtrassen
  • Förderung von energieeffizienten Technologien
  • Förderung von Start-Up Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien

6.2 Versorgungs- und Rohstoffsicherheit

Wir fragen uns:

  • Wie sieht der Konkurrenzkampf um Rohstoffe in der Zukunft aus?
  • Wie viele Forderungen nach „Good Governance“ verträgt die wirtschaftliche Zusammenarbeit?
  • Brauchen wir eine europäische Energieunion?
  • Wie stellen wir die Stromversorgung sicher?

Rohstoffsicherheit ist unbestritten wichtig. Allerdings gibt es auch viele negative Aspekte wie Landgrabbing bei der Landwirtschaft in Afrika, Kinderarbeit oder die Zusammenarbeit mit autoritären, menschenverachtenden Regierungen. Auch aus diesen Gründen muss eine einseitige Abhängigkeit von Rohstoffimporten durchbrochen und vermehrt in die Ressourcengewinnung innerhalb Europas investiert werden. Dazu zählen die Erforschung neuer Technologien, um einen Abbau auch bei uns profitabel zu machen (beispielsweise Benzin und Erdöl aus Kohle sowie Fracking), die Verbesserung von Recycling-Möglichkeiten sowie die Entwicklung alternativer Rohstoffe. Anschließende Renaturalisierungsmaßnahmen müssen dabei aber stets durch den Verursacher finanziert werden.

Fracking lehnen wir ab, wenn bei der Förderung Chemikalien zum Einsatz kommen, die das Grundwasser und die Bodenstruktur stark gefährden. Umweltfreundliches Fracking sollte jedoch keinesfalls aus ideologischen Gründen ausgeschlossen werden, sondern kann gerade für die Unabhängigkeit von Erdgasimporten, beispielsweise aus Russland, von enormer Bedeutung sein.

Auf europäischer Ebene bedarf es einer Energieunion mit dem Ziel einer höheren europäischen Versorgungssicherheit. Eine Grundbedingung hierfür stellt die Vollendung des europäischen Binnenmarktes dar. Die Energiesysteme in der Daseinsvorsorge und im Sicherheitsbereich müssen durch autonome Systeme abgesichert werden, damit die Einrichtungen von Militär, Polizei und Krankenhäusern jederzeit zur Verfügung stehen. Deutschland ist nach wie vor nicht in der Lage, sich mit allen Grundnahrungsmitteln selbst zu versorgen. Daher treten wir auch weiterhin für eine moderne und effiziente Landwirtschaft ein, die auch unter Einsatz neuer Technologien, einen möglichst hohen Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln des täglichen Bedarfs sicherstellt.

Wir fordern:

  • Ausbau der Unabhängigkeit von Rohstoffimporten
  • Verbot von Fracking, wenn Gefahr für Mensch und Umwelt besteht Verwirklichung der europäischen Energieunion
  • Absicherung der Energiesysteme in der Daseinsvorsorge und im Sicherheitsbereich

Unsere Botschaft ist klar: Wir sind keine Pessimisten. Wir freuen uns auf die Zukunft und möchten sie aktiv gestalten

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3 Änderungsvorschläge

Paul Christian Uckele, 31. März 2016 um 03:39 Uhr

Update zu Laufzeitverlängerung:
Die Baulinie 69 (Brunsbüttel, Philippsburg 1, Isar 1, Krümmel) sollte aufgrund zahlreicher Pannen und Schäden in der Vergangenheit unter schärfer Kontrolle gestellt werden.

Paul Christian Uckele, 31. März 2016 um 00:23 Uhr

Bitte beachten sie: Es handelt sich bei meinem Vorschlag nicht um den "Ausstieg au dem Ausstieg". Nur um einen Aufschub zugunsten des Kohleausstiegs. Mann sollte die Kernenergie VORERST beibehalten, und nach einem Kohleausstieg (moderne Kraftwerke (erbaut nach dem Jahr 1999) ausgenommen) überlegen, wie man mit der Kernenergie weiterhin verfährt. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die technologischen Vorraussetzungen sicherlich andere sein, als heute.

Paul Christian Uckele, 30. März 2016 um 21:39 Uhr

Wirtschaftlich vernünftiger Kohleausstieg unter temporärer Einbeziehung der Kernenergie
Deutschland verfügt über die effizientesten, sichersten und leistungsstärksten Kernkraftwerke dieser Welt! Die Kernenergie hat den unschlagbaren Vorteil, dass sie emissionsfrei ist. Angesichts des Klimawandels, welcher größtenteils auf die Energiegewinnung zurückzuführen ist, muss die Kernenergie (eventuell auch zeitlich befristet) eine Option bleiben. In vielen Ländern Europas werden sogar neue Kernkraftwerke gebaut. Dies ist in Deutschland aufgrund des stagnierenden Energieverbrauchs und der unkonkreten Ziele beim Kohleausstieg (siehe Großbritannien (bis 2030)) kein Thema. Dennoch sollte das Ziel "Atomausstieg bis 2023" kritisch hinterfragt werden, angesichts unseres Versprechens die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 bis 2050 sogar um bis zu 80% zu senken. Das 40% versprechen entstand ohnehin zu einem Zeitpunkt, an welchem der Atomausstieg noch kein Thema war. Auch sind die gesundheitlichen Folgen für Anwohner von Kohlekraftwerken (Feinstaub, Schwermetalle,...) verheerend. Kohle ist die schlechteste aller möglichkeiten, Strom zu erzeugen.
Und auch die erneuerbaren Energieen haben ihre Tücken. Das Potential für Wasserkraft ist in Deutschlan vollkommen ausgeschöpft, und Wasser/Sonne sind unzuverlässige Energiequellen. Sie passen aufgrund der unregelmäßigen Stromeinspeißung nicht in das System Grund-/Mittel-/Spitzenlast. In Zukunft ergenben sich hier sich höchstwahrscheinlich neue Speicher- und Managementmöglichkeiten, doch zurzeit brauchen wir Grundlastfähige Kraftwerke. Und aufgrund der genannten Nachteile von Kohlekraftwerken sind Kernkraftwerke hierfür die beste Möglichkeit.
Aus all diesen Gründen ist die Kernspaltung die beste Brücke ins Zeitalter der Kernfusion.
Der Atommüll wird durch den Ausstieg nicht weniger. Und nur geringfügig mehr (da der größte Teil des Mülls beim Rückbau der Kernkraftwerke anfällt). Bei längeren Laufzeiten fallen lediglich mehr Brennelemente an. Und für diese offenbaren sich schon heute technische Lösungen (Transmutation, Brütertechnologie, Lasertechnik, Wiederaufbereitung (La Hague)). Praktisches Beispiel: PRISM http://gehitachiprism.com/)
Da der Rückbau sehr teuer ist, spricht auch das Kriterium der Generationengerechtigkeit gegen den schnellen Atomausstieg. Unsere Generation muss die Kernkraftwerke zurückbauen, hat jedoch keinen wirtschaftlichen Vorteil durch den günstigen Atomstrom. Dessen Wegfall würde ganz nebenbei auch der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft schaden.
Daher hat die Union einst (zurecht) den rot-grünen Atomausstieg als rein ideologisch motiviert kritisiert.
Energie kommt von Kraftwerken und nicht von Ideologie. Und gerade wir von der jungen Union, die wir fragen der Zukunft stets pragmatisch und nie Ideologisch angehen sollten uns auch diesen bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten nicht aus politischen Gründen verschließen.
Forderungen:
- Verlängerung der Betriebszeit der deutschen Kernkraftwerke (Aussetzung der durch die dreizehnte Novelle des Atomgesetzes beschlossenen Daten zum Ablauf der Betriebsgenehmigungen der Kernkraftwerke)
im Gegenzug: langfristiger Ausstieg aus der Kohleverstromung durch folgende Maßnahmen:
- Stilllegung der Kohlekraftwerke entsprechend ihrem Alter anhand folgender Formel:
- Kohlekraft – (Gesamte Energieerzeugung – ( Windenergie + Solarenergie + Mittellast (Gas) + Grundlast (Kernenergie + Wasserkraft ))) = stillzulegende Kohleleistung in MW.
- Jährlich neu zu berechnen aufgrund des Zubaus von EEG-Quellen und Gaskraftwerken ( je nach Priorität des Kohleausstiegs auch moderne Kernkraftwerke beispielsweise EPR (Areva), AP1000 (Westinghouse), ABWR(Hitachi), ESBWR (General Electric), APWR (Mitsubishi) )
- Begrenzung des Zubaus von Kohlekraftwerkskapazitäten
-Beibehaltung der Brennelementesteuer (Beispielsweise zur Förderung der Kernfusion)
Bei Rückfragen gerne Melden

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